Repertoire für Erwachsene

Der Besuch der alten Dame

Die Kleinstadt Güllen ist – man kann es nicht anders sagen – ein finanziell heruntergewirtschaftetes Provinzkaff, in dem nicht einmal der ICE mehr hält. Wie konnte es nur so weit kommen? … fragt man sich schon längst nicht mehr, sondern akzeptiert, was unausweichlich zu sein scheint. Hierin offenbart sich viel vom Naturell der Stadtbewohner*innen: Sie lassen die Dinge geschehen.

Doch dann hält der ICE plötzlich doch nochmal, und es steigt aus: Claire Zachanassian, angereist aus den USA, Gönnerin und Philanthropin – mit einer Milliarde für Güllens Aufschwung im Gepäck.

Schnell ist man begeistert von diesem wundersamen Besuch und lässt sich zu gerne vom nahenden Reichtum berauschen: Die Bewohner*innen kaufen ein, was das Zeug hält. Doch nach und nach offenbaren sich Claire Zachanassians wahre Identität und die dahinterliegende Tragödie, und die Gemeinschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Eine „tragische Komödie“, die zu einem Welterfolg wurde und derzeit vielerorts auf die Theaterbühnen zurückkehrt – hier am Plärrer als Figurenspiel im Wechselbad der Gefühle.

Jekyll+Hyde: Face me!

Dr. Henry Jekyll, ein angesehener Londoner Arzt, ist ein Getriebener im Hamsterrad des Alltäglichen und gleichzeitig Suchender nach der Möglichkeit eines anderen Ich. Mit Edward Hyde ersinnt er sich in der schützenden Anonymität der Nacht eine zweite Identität, die „echtes Gefühl“ und „wahres Selbst“ erfahrbar machen soll. Dieser Hyde jedoch entpuppt sich als brutal und kriminell und ergreift bald völlig von Jekyll Besitz ...

Robert Louis Stevensons Novelle aus dem Jahre 1886 hat das Doppelgängermotiv als literarisches Sujet populär gemacht. Knapp 150 Jahre später umkreisen wir die Frage „Was macht mich aus?“ auf unseren Social-Media-Accounts und bewerten das Leben anderer genauso wie unseren letzten Restaurantbesuch. Die Theaterbühne macht den Zeitsprung möglich und so findet sich Dr. Jekyll in seiner Sinnsuche nicht durch eine rigide, viktorianische Gesellschaft abgeurteilt, sondern mit einem Theaterpublikum konfrontiert, das live über Leben und Tod im digitalen Zeitalter entscheidet: „Like“ oder „Dislike“?

Die Produktion will technische Hürden überwinden und erspüren, wie sich ein digitales Eingreifen des Publikums anfühlt. Die Vorstellung wird zum sozialen Netzwerk und das Publikum zu Jekylls Follower*innen, die sein Handeln auf der Bühne nicht unkommentiert lassen müssen.

Die Produktion will technische Hürden überwinden und erspüren, wie sich ein digitales Eingreifen des Publikums anfühlt. Die Vorstellung wird zum sozialen Netzwerk und das Publikum zu Jekylls Follower*innen, die sein Handeln auf der Bühne nicht unkommentiert lassen müssen.

Julia Raab: Der schwarze Hund

Eins, Zwei, Drei, .... Du! Jede*r Vierte erlebt in seinem Leben Phasen, in denen er/sie/div. ihr begegnet: einer diffusen Schwermut mit schmerzender Antriebslosigkeit oder dem Gefühl von fehlendem Lebenssinn - kurz, einer Depression. Sie ist eine Krankheit, mit der man lernen kann zu leben. Der Weg dahin ist lang - aber auch überraschend kreativ. Da ist zum Beispiel dieses Bild aus Literatur und Therapie: die Depression - ein schwarzer Hund. Immer da, Verhältnis ungeklärt. Er weigert sich zu gehen, knurrt, schnappt zu, beißt. Hin und wieder Anzeichen der friedvollen Absicht: Lässt er sich für einen Spaziergang an die Leine legen?
Im Zusammenspiel von Maske, Puppe und Objekt, dokumentarischem Material, Elementen der Choreographie und einer eigenen musikalischen Komposition von Alexander Hohaus übersetzen Figurenspielerin Julia Raab und Anja Schwede das Leben mit dem schwarzen Hund auf die Bühne. Halbsatirsche Karikaturen, Songs und vor allem die Erfahrungen von Betroffenen untersuchen das theatrale Bild auf seine Tauglichkeit, um die Depression aus ihrer sprachlosen Ecke zu holen. Jede*r Vierte muss mit ihr leben, die Frage ist - wie.

Triggerwarnung! #Depression #Suizid
Die Inszenierung "Der schwarze Hund" kann belastend wirken. Nehmen Sie sich einen Moment, um sich darauf vorzubereiten und/oder kommen Sie nicht allein in die Vorstellung.

Nachgespräch

Nach einer kurzen Pause findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch mit beiden Spielerinnen und einer Vertreterin des Nürnberger Bündnis gegen Depression e. V. statt.

Alice Therese Gottschalk: CRINKLED

Papier kann atmen und fliegen, es kann wütend werden, schlecht gelaunt sein oder sterben. Mal fragil und verletzlich, mal kraftvoll und dynamisch, wird es zur Metapher des Lebendigen. Alice Therese Gottschalk entwickelt in „Crinkled“ (zerknittert) das beeindruckende Spielpotential dieses alltäglichen Materials.

Die Stuttgarter Perkussionistin und Komponistin Anja Füsti kreiert hierzu auf einer Vielzahl von Instrumenten eine magische klangliche Welt. Bild und Sound umspielen sich, reiben sich aneinander und finden sich wieder zusammen zu einer suggestiven Erzählung, die Worte erlässlich macht.

Über(s)fischen

Was hat ein Lastenrad zum Müllsammeln mit dem Grimm-Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ zu tun? Zunächst wenig. Außer der Müllsammler ist auch Puppenspieler, denn dann beginnen Unrat, Lastenrad und Verkehrskegel selbst ganz schnell zu Objekten zu werden, mit denen sich vortrefflich Theater spielen lässt! Und wer das Märchen kennt, erinnert sich möglicherweise an die zerstörte Umwelt und die stinkende See am Ende. Manch öffentlicher Platz in Nürnberg (und anderswo in der Welt) wirkt, als wären wir auch schon fast am Ende. Als hätten unsere Gier nach mehr und das permanente Erfüllen unserer Bedürfnisse uns an einen Punkt gebracht, wo „die See zu kippen droht“.

„Über(s)fischen“ ist eine Eigenproduktion des Theaters Salz+Pfeffer, gemacht für den öffentlichen Raum, womit sich das Theater auf seine Wurzeln im Straßentheater zurückbesinnt. Im Mittelpunkt steht nicht nur das Märchen der Gebrüder Grimm, sondern auch das Märchen vom grenzenlosen Wachstum. Wenn alle Wünsche aus dem Meer gefischt und mit Plastikmüll bezahlt worden sind, was bleibt dann noch übrig von der Zukunft? Wie das Grimm-Märchen ausgeht, dürfte bekannt sein. Wie die Realität ausgeht, haben wir (noch) in der Hand …

Mr. Pilks Irrenhaus

Erleben Sie eine absonderliche Reise durch das skurrile Panoptikum irrwitziger Ansichten und absurder Ereignisse! Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Was ist grotesker als das wahre Leben? Und wer ist hier eigentlich verrückt? Oder um es mit Henry Pilk zu sagen: Irrsinn ist etwas Wunderbares!

Wandern Sie mit Ihrem Blick durch ein irres Haus. Liebevoll mit Lampions dekoriert haben sie es, die drei Anstaltsinsassen. Der eine, der sich für ein Huhn hält, der andere, der nichts mehr unterscheiden kann, der dritte, der seine Tierchen Gassi führt, Haifisch oder Hündchen, und die Zündschnur, die eine gescheiterte Hochzeit aufblitzen lässt, bringen Sie mit ihrem eigenwilligen Humor zum Schmunzeln und sorgen für ein absonderlich-besonderes Vergnügen!

Ken Campbell gilt als „eine der seltsamsten Personen Großbritanniens“ (The Guardian). Der britische Autor, Regisseur und Schauspieler wurde in Deutschland Anfang der 70er Jahre durch „Ken Campbell's Road Show“ bekannt. „Mr. Pilks Irrenhaus“ gilt als einer seiner größten Erfolge.

Mahlzeit!

In der Luft der Duft leicht angerösteter Zwiebeln, köchelnder Nudeln und bratenden Krauts, eine wohlige Wärme erfüllt den Raum, man fühlt sich unter Freunden ... Stopp! Wollten Sie nicht gerade noch ins Theater gehen? Hier sind Sie trotzdem richtig!

Bei diesem Theaterabend werden Ihr kulinarischer Appetit und Ihr Theaterhunger zu einem innigen Tänzchen gebeten. Chefkoch Jamie, Küchenhilfe Klaus, drei fränkische Hilfshausmeister und ein belesener Puppen-Professor eröffnen Ihnen so einiges über die Welt des Kochens und Schlemmens. Gerahmt von skurrilen und witzigen Anekdoten aus der Kulturgeschichte des Essens, wird in einer Riesenpfanne live gekocht. Wenn dann noch Kochlöffel, Pfannen und Messer aufeinandertreffen und rhythmische Schwingungen erzeugen, gibt es kein Halten mehr! Und dann ist es auch schon angerichtet. Was so ein bisschen Salz+Pfeffer doch vermag – Mahlzeit!

Eine kurzweilige Kochshow mit virtuoser Küchen-Percussion, knisternder Riesenpfanne und anschließendem Imbiss – einfach köstlich!

Molière:
Der eingebildete Kranke

Argan ist ein wohlhabender Kaufmann und sterbenskrank – wenn es nach ihm geht. Der Hypochonder unterzieht sich allerlei teurer, aber unnötiger Kuren, so dass seine geldgierige Frau um ihr Erbe fürchtet. Um die medizinische Versorgung dauerhaft und kostengünstig zu gewährleisten, soll Töchterchen Angélique einen vertrottelten Jung-Arzt heiraten. Was kümmert es den Vater, dass Angélique und der vergeistigte Cléante unsterblich ineinander verliebt sind? Zum Glück gibt es noch die schlaue Haushälterin Toinette, die dafür sorgt, dass am Ende jeder die Medizin bekommt, die er verdient.

Ein Stück, wie für das Figurentheater gemacht, in dem der (Un-)Tod selbst eine amüsante Hauptrolle übernimmt.

Krimiabend mit Agatha Christie: Die Mausefalle

First rule: Keep cool! Das müssen sich die beiden Hobbydetektivinnen Margarete und Rosemarie des Öfteren mal sagen, denn ihr neuster Fall verlangt ihnen einiges ab. Im Radio hören die beiden älteren englischen Ladies von einem mysteriösen Mord: Eine Frau wurde umgebracht, bei der Leiche der Hinweis gefunden, dass der nächste Mord in Monkswell Manor stattfinden wird. In der neueröffneten Pension treffen gerade die ersten, vielleicht etwas eigenartigen Gäste, ein. Als die Gruppe erfährt, dass sich unter ihnen ein Mörder befindet und noch dazu ein Schneesturm das einsame Haus völlig von der Umwelt abschneidet, spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Im heimischen Wohnzimmer nehmen Margarete und Rosemarie die Spur auf und beginnen, den Fall mit spielerischem Vergnügen aufzuklären. Miss Marple hätte ihre wahre Freude daran!

Dem Berufsprofil von Puppenspieler*innen entspricht es ja, totes Material zum Leben zu erwecken.

Wenn dieses aber dann alsbald wieder tot umfallen soll, wird es kniffelig. Vielleicht hat es deshalb fast ein Vierteljahrhundert gedauert, ehe sich das Theater Salz+Pfeffer an seinen ersten Krimi herangewagt hat. Dafür morden sie jetzt umso hingebungsvoller – und lassen die Mäuse bei diesem Krimi-Dauerbrenner ordentlich auf dem Tisch tanzen!

Shakespeare:
Wie es euch gefällt

„Da blickt doch keiner durch!“ – diese Erkenntnis kommt den beiden Puppenspieler*innen schon als ihre Aufführung von „Wie es euch gefällt“ erst seit wenigen Minuten läuft. Also wird mit Doppelgänger-Miniaturfiguren nochmal anschaulich erklärt, wer hier eigentlich mit wem verwandt ist, wer wen verbannt hat und wer von welchem der beiden Fürstenhöfe sich mit wem im Ardener Wald verrannt hat.

Und dort treffen sie dann auch alle aufeinander! Die als Mann verkleidete Rosalind, die sich ihrem Angebeteten Orlando nicht zu erkennen gibt, sondern mit ihm spielt, um seine Liebe zu ihr zu prüfen. Ihre mit ihr geflüchtete Cousine Celia, die sich indes in Oliver verliebt, der wiederum vom verfeindetem Bruder Orlando vor einem Löwen gerettet wird und so seinen Hass aufgibt. Der sie begleitende Narr Probstein verliebt sich in die Ziegenhirtin Käthe und die Hirtin Phöbe erhört schließlich die Liebesbekundungen vom Schäfer Silvius, nachdem sie erkennen muss, dass Ganymed, dem sie wiederum ihr Herz geschenkt hat, kein Mann, sondern die verkleidete Rosalind ist.

Als Figuren dienen dem Salz+Pfeffer-Ensemble die „kantigen Kerle“ des Nürnberger Künstlers Hardy Kaiser, die aus alten Telegrafenmasten hergestellt werden. Sie sind die idealen Werkzeuge, um die Wahrheiten der Liebe zu ergründen und die Verwirrungen zu entwirren. Und am Ende blickt man dann doch durch und trotz aller Verfeindungen löst sich das Stück in der Idylle des Waldes zu mehr als einem Happy End auf, denn schließlich gibt es hier vier Hochzeiten und keinen Todesfall.

Rita und die Zärtlichkeit der Planierraupe

Rita ist Disponentin in der örtlichen Kiesgrube und Geliebte von deren Besitzer gleich dazu. Ihre Zärtlichkeit für die titelgebende Raupe samt Fahrer entdeckt sie auf einer Verfolgungsjagd vom heimischen Ratziesreuth hoch an die Ostsee. Dorthin unterwegs, um an der Deutschen Meisterschaft im Präzisionsplanieren teilzunehmen, ist Ewald Fricker, vermeintlicher Dorfdepp, in Wahrheit aber bodenständiger Philosoph. Zwischen ihm und seinem Glück steht ein fingierter Konkurs des Kiesgrubenbesitzers, für den die Raupe eigentlich schnellstmöglich zurück ins Kieswerk soll; zwischen Rita und ihrem  Glück steht meist der falsche Mann. Und zwischen Anfang und Ende dieser Geschichte steht das Fernsehteam von „Eure Geschichte – unsere Show“, das das Ganze als Raupen-Roadplay-Lovestory zur Primetime auf Sendung haben will. Dazu brauchen sie die Ratziesreuther, die ihre Geschichte von der Raupe und der Ostsee vor der Kamera nachspielen. Und wenn die irgendwann keine Lust mehr haben, nach der Pfeife des Filmteams zu tanzen, nimmt die Geschichte erst so richtig Fahrt auf ...

Jockel Tschierschs Romanvorlage gerät in der Regie von Eva Kaufmann zu einem Raupen-Roadplay auf Ketten, in dem der Depp zum Helden wird und eine Planierraupe sich von ihrer zärtlichen Seite zeigen darf. Wenn hier das Ende für alle happy wird, hat man die Vorlage ein paar Raupenlängen weit hinter sich gelassen und lässt die Puppen ihr eigenes Ding machen.